Famulatur in der Primärversorgung

Famulatur in der Primärversorgung

Durch die Änderung von § 7 Abs. 2 Nummer 3 ÄAppO, die ab 01.10.2013 in Kraft tritt, müssen Studierende in Zukunft eine verpflichtende Famulatur in einer Einrichtung der hausärztlichen Versorgung ableisten.

Die Famulatur kann erfolgen in Praxen von:

  1. Fachärzten für Allgemeinmedizin
  2. Fachärzten für Kinder‐ und Jugendmedizin
  3. Internisten ohne Schwerpunktbezeichnung, die die Teilnahme an der hausärztlichen Versorg´ung gewählt haben
  4. praktischen Ärzten
  5. und Ärzten, die seit 31.12.2000 an der hausärztlichen Versorgung teilgenommen haben


Inhaltliche Empfehlungen:

In primärversorgenden Praxen sollen Patienten mit vielen unterschiedlichen Beschwerden und Erkrankungen gesehen werden. In allen primärversorgenden Praxen können in der Regel Anamnese und Untersuchungstechniken geübt und verfeinert werden.
Jede Praxis hat besondere Schwerpunkte (Zusatzleistungen, Patientenklientel etc.), die Sie auf Ihre persönlichen Interessen abstimmen sollten.

Auswahl von Praxen:

Beachten Sie bei der Auswahl der geeigneten Praxis folgende Aspekte:

  • Große Praxen / Gemeinschaftspraxen bieten die Möglichkeit, verschiedene Ärzte bei der Arbeit zu beobachten. In kleinen Einzelpraxen ist die individuelle Betreuung durch einen Arzt intensiver und die Atmosphäre meist familiärer.
     
  • Viele Praxisinhaber haben schon Erfahrung mit Famulanten gesammelt. Alle Standorte verfügen über allgemeinmedizinische Lehrpraxen, die Universitäten Heidelberg, Bochum und Düsseldorf haben darüber hinaus auch pädiatrische Lehrpraxen. Infos und Adressen bekommen Sie über die jeweiligen Abteilungen.
     
  • Praxen im ländlichen Bereich sind weniger überlaufen. Einige Praxen in sehr reizvoller Umgebung bieten Übernachtungsmöglichkeiten für Studierende an.
     
  • Möglichkeiten der Funktionsdiagnostik müssen im Vorgespräch ausgelotet werden

    1. Verfügt die Praxis über EKG, Ergometrie, Langzeit RR und –EKG, Lungenfunktionstest und Sonographie?

    2. Werden regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen (DMP‐Programme, Check up, Krebsvorsoge) vorgenommen?

    3. Einige Praxen verfügen über spezielle Schwerpunkte / Zusatzbezeichnungen, wie z.B.

      Chirotherapie, Palliativmedizin, Naturheilverfahren, Psychotherapie etc.

Viele Praxen verfügen über eine Website, auf der man einen Überblick über das Leistungsspektrum bekommen kann.

  • Praxisanfragen und Terminvereinbarungen erfolgen individuell


Vorgespräch:

Wir empfehlen ein persönliches Vorgespräch zwischen dem Famulus und dem betreuenden Praxisinhaber, in dem Sie neben organisatorischen auch inhaltliche Eckpunkte absprechen können.
Das Gespräch wird meist in einer Mittagspause oder nach Sprechzeitenschluss geführt. Wir empfehlen Ihnen, frühzeitig zu erscheinen, um sich während der Wartezeit einen Eindruck vom Ablauf in der Praxis machen zu können.

Fragen, auf die Sie vorbereitet sein sollten:

  • Was wollen Sie in der Famulatur lernen?
  • Warum haben Sie sich für diese Praxis entschieden?
  • Welche Vorkenntnisse haben Sie in den Bereichen Anamnese & Untersuchung?
  • Fühlen Sie sich sicher, Patienten mit einfachen Beratungsanlässen erstmal eigenständig zu befragen und zu untersuchen?

Klären Sie im Vorstellungsgespräch die erwarteten Arbeitszeiten. Die Famulatur muss in der Regel ganztags erfolgen, wobei hier von Praxis zu Praxis Unterschiede bestehen können.
Die Praxen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Sprechzeiten, manche machen eine feste Mittagspause, mache arbeiten durch, andere machen über Mittag Hausbesuche.
In der Regel sind individuelle Absprachen möglich. Klare Absprachen ersparen für beide Seiten mögliche Enttäuschungen.

Bitte beachten Sie, dass sich die Famulatur nicht zeitlich mit anderen Studierenden (auch Blockpraktika und PJ) überschneidet. Sie haben am meisten davon, wenn sich der Lehrarzt Ihnen voll widmen kann. Nur in großen Gemeinschaftspraxen können u.U. mehrere Studierende parallel gut betreut werden. Da viele Lehrpraxen in unterschiedlichen Universitäten tätig sind, müssen die Termine im Vorfeld mit der Praxis gut abgesprochen werden.

Was kann / darf ein Famulus in einer Praxis?

Alle Handlungen, die Sie ausführen, sind in der medizinischen Verantwortung des betreuenden Arztes. Welche Tätigkeiten Sie eigenständig durchführen dürfen, liegt im Ermessen und in der Verantwortung des Arztes.
Der Arzt kann Handlungen an Sie delegieren, wenn der Patient damit einverstanden ist.
Prinzipiell delegierbar sind: Anamnese, körperliche Untersuchung, Voruntersuchung, Blutabnahme, Blutdruckmessung, Blutzuckermessung, Harnschnelltest, Impfung, Verband, EKG, Lungenfunktionstest, Sonographie.
Im Anschluss muss sich der Arzt von der korrekten Durchführung überzeugen und die Ergebnisse und Rückschlüsse kontrollieren.
Sie sind nicht berechtigt, Rezepte oder Formulare auszustellen und/oder zu unterschreiben.
Lassen Sie sich nicht darauf ein, medizinische Entscheidungen zu treffen oder Therapien vorzunehmen, wenn Sie sich selber dabei noch unsicher sind.

Hausbesuche dürfen von einem Famulus zwar durchgeführt werden, allerdings dürfen auf dem Besuch keine medizinischen Entscheidungen getroffen werden. Auch die i.v. oder i.m. Applikation von Medikamenten ohne Beisein des Arztes sind nicht gestattet.
Wir empfehlen den Abschluss einer persönlichen Berufshaftpflichtversicherung für die Famulatur.


Weitere Info´s:

  • In der Regel brauchen Sie für die Famulatur einen Kittel mit Namensschild und ein Stethoskop. Wenn vorhanden, bringen Sie Ihren eigenen Reflexhammer und eine Pupillenleuchte mit.
  • Wir empfehlen ebenfalls ein kleines Arzneimittelkompendium (Arzneimittel Pocket o.ä.) und ein Taschenlehrbuch (Praxisleitfaden o.ä.).
  • Stellen Sie sich bei den Patienten vor und nennen Sie Ihre Funktion und Ihre Aufgabe, z.B.: „Ich bin hier als Medizinstudent während eines Praktikums. Mein Name ist Martina Mustermann und ich würde Sie gerne befragen / untersuchen, wenn Sie einverstanden sind. Dr. XY wird später dazu stoßen, ich werde ihm die Ergebnisse meiner Untersuchung vorstellen und er / sie wird festlegen, wie es weitergeht.“
  • Lassen Sie sich die Famulatur auf dem offiziellen Dokument Ihres Landesprüfungsamtes bescheinigen.
  • Leider können die universitären Einrichtungen keine Qualitätskontrolle für die Famulaturen vornehmen. Sie können jedoch Praxen, die sich in Ihren Augen bewährt haben, an andere weiterempfehlen.
  • Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein‐ und Familienmedizin (DEGAM) bietet eine Famulaturbörse mit Praxisempfehlungen und weiteren Hinweisen zur Gestaltung der Famulatur. Weitere Infos finden Sie unter http://degam-famulaturboerse.de/
  • Eine Karte mit den Lehrpraxen der Ruhr- Universität Bochum finden Sie unter der Rubrik "integrierter Reformstudiengang", oder diesen LInk in den Browser kopieren:

https://www.google.com/maps/d/edit?hl=de&authuser=0&mid=1jYdUWA37cJQLFsPEaEAuB6TJulM&ll=51.50499579137379%2C7.737228855468743&z=8